[19.07.2009 ]
Himmel und Hölle
Nein, wir sprechen hier nicht von dem langweiligen Kinderspiel, sondern vom Thema des gar nicht langweiligen „Bunten Abends“. Eine farbenprächtige Show erwartete die Zuschauer, für die die circa 40 Darsteller seit Anfang Oktober geprobt hatten. Unter der Leitung von Herrn Stumpf wurde das Bühnenprogramm zusammengestellt – inklusive „schöner Muskeln“, „Affären mit Teufelinnen“ und „Schwansteinen“.
Obwohl der Anfang des Stückes noch recht affektiert und gewollt klang, war eine Steigerung schnell erreicht. Im ersten Teil des Abends machten sich sowohl Engel als auch Teufel (mit einem engelsgleichen Teufel) auf ins alte Rom. Die Geschichte war schon an dieser Stelle nicht ganz stimmig, schließlich hatten die Römer weniger Angst vor dem Teufel als vor ihren selbst erfundenen Göttern. Dennoch ist dies damit zu begründen, dass eine perfekte Geschichte ja gar nicht die Intention eines „Bunten Abends“ ist.
Mit Kurzfilmen, die vor der Münchener Glyptothek gedreht wurden und pantomimischen Einlagen, untermalt von klassischer Musik von Verdi, Vivaldi und Mozart, wurde die Aufmerksamkeit der Zuschauer aufrecht erhalten. Clever durchdachte Gags und Anspielungen wechselten sich mit solchen ab, die oft zu sehr breitgetreten wurden. Besonders ins Auge stach jedoch die großartige Choreographie, auch wenn sich 20 Darsteller gleichzeitig auf der Bühne befanden. Die Spannung blieb stets erhalten, was durchaus professionell wirkte.
Highlights dieser ersten Hälfte waren die Gesangseinlagen von Julia Stubenrauch beziehungsweise Anna Rüchart und Emil Mahr (Duett) sowie eine moderne Tanzdarbietung von Lae Platzer und akrobatische Darbietungen von Vanessa Hrastnik.
Große Spielfreude war allen Engeln, Teufeln und anderen Akteuren deutlich anzumerken. Dass bei einem 40 Schüler starken Ensemble die schauspielerischen Leistungen auseinander gehen, dürfte jedem Zuschauer bewusst geworden sein.
Irgendwo zwischen Comedy und Wahnsinn bewegte sich die zweite Hälfte des „Bunten Abends“, diesmal aber deutlich gesteigert und fast immer auf der Comedyseite. Überraschenderweise fanden sich die Zuschauer in einer völlig neuen Welt wieder. In Bayern und Wien knöpften sich Engel und Teufel nun Kaiserin Sissi und den Rest des Hochadels vor – bis hin zu Edmund Stoiber. Immer noch mehr Chaos vermochten sie zu erschaffen, wesentlich vielseitiger als im alten Rom. Die Dialoge wurden zusehends ausgereifter, auch wenn einige Figuren recht einseitig und berechenbar blieben. Eine komische Verwechslungskomödie mit Franz und Franz und natürlich die seltsamen Gebaren des Adels um Marie Antoinette und Zarin Katharina, die beide von Rechts wegen seit ein paar Jährchen hätten tot sein sollen, boten Anlass zu Gelächter.
Spektakuläre Unterwasseraufnahmen und verschiedene, von Schülerinnen choreographierte Tänze beeindruckten das Publikum. Vor allem bezauberten jedoch die Szenen bei Hofe, besonders der Hofmarschall (Lae Platzer) war eine immerwährende Quelle der Belustigung. Am Ende des Stückes entlud sich der Familienkonflikt im Hause Teufel zwischen Mutter Luzifer(Laura Mühlbach) und Tochter Luci (Anna Rüchart). Und, wie konnte es anders sein, der engelsgleiche, naive Teenagerteufel wechselte über zu den „Guten“, die den Bösen in puncto Intellekt deutlich unterlegen waren. Insgesamt hätte man das Stück jedoch stark kürzen können, der wohl größte Kritikpunkt an diesem Abend war schlicht die Überlänge durch die häufigen Wiederholungen von Handlungsteilen.
Ach ja, fast vergessen: Die Moral von der Geschicht‘: Teufeleien zahlen sich nicht aus - machen aber höllisch viel Spaß!
Kathi Hartinger