Ausstellung des P-Seminars „Kunst der Fiktion“ vom Otto-von-Taube-Gymnasium vom 12.1.-19.1.2018

KUNST DER FIKTION, unter diesem Titel stellten die Schülerinnen und Schüler des gleichnamigen P-Seminars ihre gelungenen Arbeiten im Walter-Hildmann-Haus in Gauting aus. Der Kirchenvorstand plädierte aus Begeisterung sogar noch für eine Verlängerung der Ausstellung um eine Woche.

Fiktion, aus dem lateinischen „fictio“, zu Deutsch: „Gestaltung, Erdichtung“, bezeichnet die Schaffung einer eigenen Welt durch Literatur, Film, Malerei, Fotografie  und digitaler Medien.
In der Gegenwartskunst stellt die Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit dem Thema Fiktion und Realität einen zentralen Aspekt dar.

Sophie Calle und Christian Boltanski zum Beispiel stellen Fotos und Alltagsgegenstände als fingierte Lebensgeschichte  aus. Mit diesen Ikonen und Reliquien malen sie das Lebensbild eines Menschen. Es ist gleichgültig, ob die Lebenszeugnisse wirklich zusammengehören. Es reicht, wenn es so sein könnte.
 
Die Künstlerin Cindy Sherman zeigt in ihrer Fotoserie  „Untitled Film Stills“ von 1977/80  nicht sich selbst als Person, sondern sie stellt Frauenfiguren aus der Bilderwelt der Medien nach. Sie entlarvt in der Vielfalt ihrer Erscheinungen jede „Identität“ als imaginäres Konstrukt. In ihrem Sinne fertigten  Laruschka Pho Duc, Smilla Kohl, Elena Kerscher und Moritz Simen eigene phantastische und subtile Inszenierungen.

Der englische Fotograf Tom Hunter orientierte sich in seinem Zyklus „Persons Unknown“ von 1997 am Vorbild berühmter Gemälde, zum Beispiel „Brieflesendes Mädchen“ von Jan Vermeer, die er in großformatige, extrem detaillierte Fotos umgesetzt hat. Dilara Bulut hat sich in die Rolle des brieflesenden Mädchens hinein versetzt  und fertigte eine eigene poetische Version dieses Themas.

Das weltberühmte Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch wurde von Moritz in Regie von Anna Zimmermann nachgestellt und frech in den Kontext der Gegenwart gebracht.

Sonja Fischer  hat sich von David Hockney inspirieren lassen zu einer Fotocollage einer bezaubernden Winterlandschaft. Sie fertigte hierzu viele Einzelbilder im Laufe von verschiedenen Tagen, zerteilte sie und setzte sie wieder neu zu einem Ganzen zusammen, um so den Zeitbegriff, den wir normalerweise haben, im Bild aufzuheben.

Hans Op de Beek lässt vor seiner Kamera Modelle von fiktiven, poetischen Landschaften entstehen, die er aus verfremdeten Materialien erstellt und  teilweise mit präzisem Einsatz von Wasser und magischen Musikeinspielungen untermalt. Auch die raffiniert gestalteten, zart anmutenden fiktiven Landschaften von Lea Bernhard können sich daran messen lassen.

Daniel Knaier  ist der illusionistischen Malerei von Darek Zabrocki verfallen, welcher als Konzept-Künstler und Illustrator von Fantasie-Filmen bekannt ist. Auf den beiden Gemälden Daniels entspannt sich eine Science-fiction-artige Welt.

Der Bildhauer Erwin Wurm stellt in seinen „Outdoor Sculptures“ förmlich die Welt auf den Kopf. Er verwirrt und belustigt mit Ironie und Humor indem er Menschen in grotesken Positionen als sogenannte „One-minute-sculptures“  zu Ikonen werden lässt.  Christina Denneler, Lukas Reindl und Joshua Ibrahim haben eigene äußerst  skurril arrangierte Kompositionen geschaffen und fotografisch festgehalten.

Insgesamt haben die Schülerinnen und Schüler mit dieser  Ausstellung nicht nur großartiges gestalterisches Können und viel Phantasie gezeigt, sondern darüber hinaus bewiesen sie noch eine Menge Teamgeist und  Durchhaltevermögen bei der umfangreichen Organisation der erfolgreichen Vernissage am 12.1.2018 mit feinen Häppchen, Sektumtrunk und dem versierten Präsentieren der eigenen Werke.

Svantje Munzert

Fotos:
1. Bild (Gruppenfoto): C. Cless-Wesle
alle übrigen Bilder: B. Lutz-Sterzenbach