Frankreichaustausch 2026
Frankreichaustausch mit Clermont l’Hérault – Erfahrungsbericht
Donnerstag, 19.3.26: Ankunft in Clermont
Unsere Reise begann früh am Morgen: Um 6:15 Uhr versammelten wir uns am Hauptbahnhof in München, bevor es um 6:40 Uhr mit dem Zug Richtung Stuttgart losging. In Stuttgart angekommen, stiegen wir in den TGV nach Straßburg um. Den zweistündigen Aufenthalt dort nutzten wir ausgiebig: Während die einen eine schnelle Stärkung bei McDonald’s bevorzugten, ließen sich andere ihr erstes echtes französisches Croissant schmecken oder erkundeten die malerische Altstadt.
Anschließend stand die längste Etappe an: Die siebenstündige Fahrt im TGV nach Montpellier. Nach dieser recht zähen Reise waren wir froh, endlich anzukommen. Am Bahnhof wurden wir herzlich von unseren Austauschpartnern in Empfang genommen und starteten in unseren ersten Abend in den Gastfamilien.
Freitag: Vormittag am Lycée
Unseren ersten vollen Tag in Frankreich verbrachten wir am örtlichen Lycée. Pünktlich um 8:00 Uhr startete der Unterricht – genau wie zu Hause. Zuerst begleiteten wir unsere Austauschpartner in ihre jeweiligen Klassen, bevor wir nach der Pause in kleinen Gruppen verschiedene Englischstunden besuchten. Eine Besonderheit fiel uns sofort auf: Da jede Schulstunde in Frankreich zehn Minuten länger dauert als bei uns, fühlte sich der Vormittag etwas intensiver an. Die anschließende Mittagspause verbrachten wir gemeinsam in der Mensa.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Kreativität: Wir begannen mit der Gestaltung von Postern für die Schule. Zum Ausklang des Schultages kehrten wir in eine Brasserie ein, um ein paar Snacks zu genießen. Das Highlight war jedoch der Abend: Wir trafen uns alle bei Annabelle zum gemeinsamen Pizzabacken und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Joshua Herz, Freya Waldeck, Frederik Zeitter
Montag: Stadtführung in Montpellier
Heute Morgen haben wir in der französischen Schule weiter an den Postern gearbeitet, bis wir dann nach Montpellier, die siebtgrößte Stadt Frankreichs, gefahren sind. Dort erhielten wir eine Stadtführung, in der uns viele wichtige Sehenswürdigkeiten gezeigt wurden.
Als erstes wurde uns der Place de la comédie, auch Place de l’oeuf vorgestellt. Dieser symbolisiert das Zentrum der Altstadt und dient häufig als Treffpunkt Freunde oder Arbeitskollegen. Früher hatte er die Form eines Eis, woher auch der Name Place de l’oeuf kommt. Heute ist dieser Platz jedoch viel größer und in seiner Mitte steht der Brunnen Fontaine des Trois Grâces.
Danach wurde uns ein kleiner, unscheinbarer Metalldeckel auf dem Boden gezeigt, welcher als einer von über 300 den Pilgerweg in Montpellier kennzeichnet. Montpellier liegt nämlich genau auf dem Weg zwischen Rom und Santiago in Spanien.
Als nächstes sahen wir eine kleine Statue an einer Hauswand hängen. Diese Statue zeigt Saint-Roch, einen Schutzpatron gegen die Pest, welcher in Montpellier geboren wurde und dann nach Rom gereist ist, wo er viele Pestkranke geheilt haben soll. Gezeigt wird er immer mit einem Hund, da er laut einer Legende, als er selbst erkrankte, jeden Tag von einem Hund besucht wurde.
Dann liefen wir zu dem Triumph-Bogen Porte du Peyrou. Wenn man dort die schmale Wendeltreppe hinaufsteigt, hat man eine tolle Sicht auf einen großen Teil Montpelliers, die Berge und das Meer.
Daraufhin besuchten wir noch das Mikvé, ein jüdisches Badehaus, in dem rituelle Reinigungen stattfanden. Auch heute ist es noch mit Wasser gefüllt, wird jedoch nicht mehr benutzt.
Am Ende hatten wir noch Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erforschen und kleine Souvenirs zu kaufen.
Dank des guten Wetters konnten wir viel von Montpellier sehen und hatten einen schönen und erlebnisvollen Tag.
Klara Trefzer und Camilla Väthröder
Dienstag: Ein Tag in der Hafenstadt Sète
Unser Ausflug am Dienstag führte uns in die malerische Hafenstadt Sète. Die Fahrt begann um 8:30 Uhr und unser erster Stopp war der Mont Saint-Clair. Von der dortigen Aussichtsplattform bot sich uns ein fantastisches Panorama über die gesamte Stadt und das glitzernde Meer. Danach ging es weiter ins Stadtzentrum, wo wir direkt zu einer Bootstour aufbrachen. Während der Fahrt erfuhren wir spannende Details über die Stadtgeschichte und steuerten schließlich die weitläufigen Austernfarmen an. Es war faszinierend zu sehen, wie von diesem Ort aus ganz Frankreich beliefert wird. Besonders interessant war die Erklärung einer neuen Technik: Um Ebbe und Flut zu simulieren, werden die Austern regelmäßig aus dem Wasser gehoben. Das härtet ihre Schalen ab und macht sie für den Transport haltbarer.
Wieder an Land, widmeten wir uns den kulinarischen Highlights der Region. Wir besuchten das bekannte Fachgeschäft Tielles Cianni Marcos sowie eine örtliche Boulangerie, um die berühmten herzhaften Tielles (z.B. mit Tintenfisch gefüllte Teigtaschen) und andere Köstlichkeiten zu kosten. Nach etwas Freizeit, in der wir die Gassen der Stadt selbst erkunden konnten, stand noch ein geschichtlicher Programmpunkt an: Die Besichtigung der Gedenktafel „Exodus 1947“. Dies half uns dabei, die Bedeutung Sètes im Kontext des Zweiten Weltkriegs besser zu verstehen. Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck traten wir schließlich die Rückreise nach Clermont-l’Hérault an.
Maria Giouvri, Maya Graben
Mittwoch in Pézenas: Auf den Spuren von Molière
Am Mittwoch stand ein Ausflug ohne unsere Austauschpartner auf dem Plan: Unser Ziel war das malerische Pézenas. Die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und einladenden Cafés hat uns sofort verzaubert. Zur Einstimmung hielt Georgi vor Ort einen kurzen Vortrag über Molière und dessen Verbindung zur Stadt. Danach hatten wir genügend Zeit, den Ort in kleinen Gruppen auf eigene Faust zu entdecken – egal ob beim Bummeln durch die kleinen Läden oder bei einer entspannten Pause in einem der Straßencafés.
Um 14:00 Uhr tauchten wir bei einer Stadtführung tiefer in die Geschichte ein. Wir erfuhren viel über das Leben des Dramatikers Molière, der in Pézenas den Grundstein für seine glanzvolle Karriere legte, bevor es ihn nach Paris zog. Es ist beeindruckend, dass sich die Stadt bis heute als „Molière-Stadt“ versteht, was auch durch die imposanten Skulpturen verdeutlicht wird. Gegen 17:00 Uhr kamen wir wieder in Clermont-l’Hérault an, wo wir von unseren Gastfamilien empfangen wurden. Den krönenden Abschluss des Tages bildete die Feier zu Lenises 18. Geburtstag.
Quentin Vick, Tom Joergens
Donnerstag: Geschichte hautnah im Camp des Milles
Unser Programm am Donnerstag führte uns in die Nähe von Marseille zur Gedenkstätte Camp des Milles. Nach einer dreistündigen Busfahrt ab Clermont-l’Hérault erreichten wir das ehemalige Lager, wo wir zunächst strikte Sicherheitskontrollen passieren mussten. Die anschließende Führung durch das Hauptgebäude war sehr bewegend. Wir erfuhren, dass das Gelände ursprünglich eine Ziegelfabrik war, bevor es während des Zweiten Weltkriegs als Internierungslager zweckentfremdet wurde. Die Erklärungen über das Schicksal der Inhaftierten und ihre schwierigen Lebensbedingungen in der Fabrik ließen niemanden kalt.
Anschließend besuchten wir den Workshop „Rassist… Ich?“, der zum Nachdenken anregte. Leider mussten wir diesen vorzeitig abbrechen, um pünktlich die Heimreise anzutreten. Zurück in Clermont-l’Hérault ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Essen ausklingen. Es gab französische Tacos – eine herzhafte Spezialität, die ein wenig an Döner erinnert und uns allen hervorragend schmeckte. Auch wenn der Tag lang und emotional kräftezehrend war, war es für uns alle eine sehr bereichernde Erfahrung.
Arthur Heindel, Korbinian Pecka
Hier geht’s zum Zeitungsartikel im „Midi Libre“
Und hier zum gemeinsamen Podcast Projekt:






