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La Réunion

Blick vom Maido auf den Talkessel
Kirche, die inmitten von Lavasteinen auf wundersame Weise nicht zerstört wurde

Europa im Indischen Ozean: Ein pädagogischer Streifzug über La Réunion

 

Ein Blick über den Tellerrand führt manchmal bis ans andere Ende der Welt – und doch bleibt man dabei mitten in der Europäischen Union. Im Rahmen eines Job Shadowings hatten Frau Schwert und ich kürzlich die Gelegenheit, das französische Bildungssystem auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean hautnah zu erleben. Dass man sich trotz der rund 10.000 Kilometer Entfernung zu Brüssel auf europäischem Boden bewegt, wird im Alltag schnell deutlich: Gezahlt wird ganz unkompliziert mit dem Euro, und die enge Verbundenheit zur EU zeigt sich auch in der beeindruckenden Infrastruktur. Viele der modernen Bauprojekte, wie etwa die monumentalen neuen Küstenstraßen und Brücken, wurden durch EU-Fördermittel ermöglicht und prägen heute das Gesicht dieser „Region in äußerster Randlage“.

 

Unser Aufenthalt war geprägt von einem intensiven fachlichen Austausch, der bereits mit den ersten Unterrichtshospitationen begann. In den besuchten Schulen erhielten wir wertvolle Einblicke in die methodische Gestaltung des Alltags und konnten in produktiven Gesprächen mit der dortigen Schulleitung und Kolleginnen und Kollegen Gemeinsamkeiten sowie inspirierende Unterschiede unserer Schulsysteme diskutieren. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der digitalen Vernetzung und der Förderung internationaler Mobilität. So besuchten wir eine Fortbildung im Canopé, dem französischen Kompetenzzentrum für Bildungsmittel, um unsere Kenntnisse im Bereich eTwinning zu vertiefen. Parallel dazu stand die Stärkung des individuellen Schüleraustauschs im Fokus: Durch die enge Abstimmung vor Ort konnten wir die Weichen für das Brigitte-Sauzay-Programm stellen, um unseren Schülerinnen und Schülern auch künftig den Weg für einen Aufenthalt auf dieser faszinierenden Insel zu ebnen.

 

Doch das Verständnis für eine Partnerregion wächst nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch durch das Erleben ihrer Kultur und Natur. La Réunion beeindruckte uns mit ihrer rauen Schönheit, die wir bei Wanderungen durch die monumentalen Talkessel und beim Blick vom Gipfel des Maïdo bestaunen konnten. Wir besuchten eine traditionelle Vanille-Plantage und entdeckten versteckte Wasserfälle sowie kristallklare natürliche Pools. Ein absoluter Höhepunkt unserer Reise war jedoch ein Ereignis, das man nicht planen kann: Während unseres Aufenthalts brach der Vulkan Piton de la Fournaise aus. Was für uns zunächst ehrfurchtgebietend klang, wird von den Bewohnern der Insel als ein freudiges und majestätisches Spektakel wahrgenommen. Die Begeisterung der Menschen vor Ort für die glühenden Lavaströme war ansteckend und machte uns deutlich, wie tief die Verbundenheit der „Réunionnais“ mit ihrer lebendigen Insel ist.

 

Wir kehren mit einem Koffer voller neuer Impulse, gestärkter Partnerschaften und unvergesslicher Eindrücke zurück. Diese Reise hat uns einmal mehr gezeigt, wie lebendig und vielfältig das Projekt Europa ist – auch und gerade an seinen entferntesten Grenzen.

 

Michael Hoppenstedt 

(Fachschaftsleiter Französisch)

Blick auf das Meer
Natürlicher Pool
Neu errichtete Brücke bei St. Denis
Regenbogen über dem Meer