Historisches und Otto von Taube
Historisches
Das Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting kann auf rund 60 Jahre Schulgeschichte zurückzublicken. Zu Beginn der 1960er-Jahre gab es zwischen Pasing und Starnberg lediglich das Gymnasium in Gräfelfing, die geburtenstarken Jahrgänge und die schul- und bildungspolitischen Reformen, die in dieser Zeit begannen, erhöhten den Druck auf die bestehenden Gymnasien und erzeugten eine steigende Nachfrage auch nach gymnasialen Bildungsangeboten in den prosperierenden Gemeinden der Region.
Es war die damalige Gautinger Gemeinderätin Dr. Mathilde Berghofer-Weichner, die spätere Justizministerin Bayerns, die 1965 den Impuls zur Gründung eines Förderverereins mit dem Ziel der Einrichtung eines Gymnasiums in Gauting gab. Erster Vorsitzender des Fördervereins wurde der Gemeinderat Dr. Ferdinand Jaquet. Der Verein fand in der Gemeinde, etwa in Person des Bürgermeisters Joseph Cischeck, und in der Bevölkerung breite Unterstützung, ging es doch nicht zuletzt um die Attraktivität der Gemeinde als Lebensmittelpunkt junger Familien. Im gleichen Jahr fällte auch der Gemeinderat einen Beschluss, auf die Gründung eines staatlichen Gymnasiums in Gauting hinzuwirken.
1967 wurde dann im ‚Bayerischen Staatsanzeiger‘ die Gründung eines Neusprachlichen Gymnasiums in Gauting bekanntgegeben. Im selben Jahr noch, am 07.09.1967, begann für die ersten 5. Klassen der Unterricht am Gautinger Gymnasium - allerdings noch nicht in den jetzigen Gebäuden, sondern zunächst in der Volksschule Gauting und schließlich in den Räumen der Realschule. Dr. Winfried Zehetmeier war zudem vom Kultusministerium zum Gründungsschulleiter bestimmt worden und leitete die Geschicke in dieser turbulenten Aufbauphase der Schulgeschichte, in der – noch in Ermangelung eines eigenen Schulgebäudes - im zweiten Schuljahr auch Klassen in die Grundschule Stockdorf ausgelagert werden mussten. Gleichzeitig begannen 1969 die Vorbereitungen des Schulneubaus mit der Auswahl des von Dr. Wilhelm Kücker vorgelegten Entwurfes im Architektenwettbewerb.
Ab 1971/72 erhielt die Schule mit der Einführung von Englisch als erster Fremdsprache eine sinnvolle Ergänzung zu dem seit Gründung der Schule gepflegten grundständigen Latein im neusprachlichen Zweig. Im November 1971 konnte dann endlich auch der Einzug in das neu errichtete Gebäude an der Germeringer Straße erfolgen, die Provisorien in den anderen Schulen der Gemeinde fanden ein Ende.
Bereits zu Beginn des Schuljahres 1974/75 wuchs die Schülerzahl auf über 1000 Schülerinnen und Schüler an, ein Erweiterungsbau, der schon 1973 durch einen Wettbewerb initiiert worden war, konnte im November 1975 bezogen werden. Die ersten ‚Projettage‘, die noch heute jedes Schuljahr den Ausklang des schulischen Arbeitens im Kreativen abschließt, wurde erstmals 1984 durchgeführt.
Mit dem Schuljahr 1985/86 wurde schließlich eine weitere Ausbildungsrichtung an der Schule eingerichtet: der mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig, dem Englisch als erste Fremdsprache zugewiesen wurde.
Eine bis heute nachhaltige pädagogische Entscheidung wurde 2003 getroffen: Die Einführung der Förderklasse für Hochbegabte. Seit dem Schuljahr 2003/04 fördert die Schule durch eigens entwickelte pädagogische Konzepte das intellektuelle und kreative Potenzial dieser Schülerinnen und Schüler. Die dabei gewonnenen pädagogischen, didaktischen und methodischen Erfahrungen werden seitdem auch konsequent in der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schüler in den Regelklassen angewandt. Seit Abschluss der Qualifizierung des OvTG zum ‚Kompetenzzentrum für Begabtenförderung‘ 2016 wird zudem diese fachliche Expertise schrittweise an alle Gymnasien und interessierte Grundschulen im MB-Bezirk Oberbayern-West weitergegeben.
Weitere Impulse erhielt die Schule durch die enge Kooperation mit der Technischen Universität München, die gemeinsam mit dem OvTG im Schuljahr 2009/10 einen eigenständigen Oberstufenzug, das TUMKolleg, ins Leben rief. Naturwissenschaftlich begabte Schülerinnen und Schüler können hier an einem Tag in der Woche auf dem Campus der TUM, unterstützt durch Lehrkräfte des OvTG wie Dozenten der TUM, ihren fachspezifischen Forschungsarbeiten nachgehen, während sie an den verbleibenden vier Tagen am OvTG am regulären Schulbetrieb mit allen Fächern teilnehmen.
Die zahlreichen Kooperationen, Schulpartnerschaften und Austauschprogramme sind nur ein Indiz dafür, dass am OvTG ein breit angelegter, ganzheitlicher Bildungsansatz Grundlage allen pädagogischen Wirkens ist.

Otto von Taube
Der Namensgeber unserer Schule wurde 1879 in Estland geboren, machte in Weimar Abitur und schloss ein Jurastudium mit der Promotion ab.
Nach einer Tätigkeit im Staatsdienst nahm er das Studium der Kunstgeschichte auf und promovierte zum Dr. phil. Nach dem 1. Weltkrieg übersiedelte Otto von Taube 1921 nach Gauting, gründete eine Familie und lebte als freier Schriftsteller. Wichtige Werke sind die Romane "Die Löwenpranke“, „Das Opferfest“, „Die Metzgerpost“, sowie eine zweibändige "Geschichte unseres Volkes“.
Während des 2. Weltkrieges erhielt Otto von Taube Schreibverbot, da er das NS-Regime ablehnte. Nach dem Krieg veröffentlichte er Lyrik und Novellen, Erzählungen und seine Memoiren. 1973 starb Otto von Taube in Gauting, mit dem er sich sehr verbunden fühlte.


