Gedenken an den 80. Jahrestag der ‚Reichspogromnacht‘

Zur Erinnerung an die ‚Reichspogromnacht‘ am 9. November 1938 besuchten die beiden Klassen 10 a und 10 d am Freitag, den 9. November eine Sondervorführung des Figurentheater-Stücks „Wenn Du einmal groß bist“ im Kupferhaus in Planegg - gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Feodor-Lynen-Gymnasiums Planegg.

Vorlage des Stückes ist das Kinderbuch „Für Tommy zu seinem dritten Geburtstag in Theresienstadt“ von Bedrich Fritta. Der Zeichner und Karikaturist malte das lebensbejahende, Mut machende Kinderbuch zum dritten Geburtstag seines Sohnes Thomas im Ghetto Theresienstadt, in dem auch seine Frau und sein kleiner Sohn gefangen gehalten wurden. Als ihm klar wurde, dass er die Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz nicht überleben würde, versteckte er das Buch in Theresienstadt. Sein Freund und Holocaust-Überlebender Leo Haas rettete das Buch vor der Vernichtung und schenkte es zum 18. Geburtstag Tommy, den er nach dem Krieg adoptiert hatte, da nicht nur Bedrich Fritta, sondern auch Tommys Mutter den Holocaust nicht überlebt hatte. So blieb Tommy als einzige Erinnerung an die verlorene Familie dieses Kinderbuch.

Szenen des Verhörs Frittas durch seine Peiniger wegen seiner künstlerischen Untergrundarbeit im Lager Theresienstadt wechseln sich ab mit einem fiktiven Dialog des Vaters mit seinem Sohn, der diesen auf eine imaginäre Reise in die Welt außerhalb der Wälle und Mauern Theresienstadts mitzunehmen versucht - eben in seinem Kinderbuch.

In der Inszenierung gehen Tragik und Komik Hand in Hand, denn sie thematisiert nicht nur den Schrecken des Ghettos und die tragischen Umstände, unter denen das Buch entstanden ist. Sie zeigt es auch als ein Zeugnis des Weiterlebens und des Optimismus. Gespielt und erzählt wird die Geschichte vom Figurentheater Pantaleon mit Schauspiel, Figuren und Livemusik.

Bereits seit vielen Jahren kooperieren die Gymnasien des Würmtals (Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing, Feodor-Lynen-Gymnasium Planegg und das Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting) in kollegialer und konstruktiver Weise in ihrem Bemühen des historischen Erinnerns an die Epoche des Nationalsozialismus - ob beim Totengedenken am Totensonntag (25.11.) in wenigen Tagen auf dem Jüdischen Friedhof Gauting oder aber im Frühjahr beim großen jährlichen Gedenkzug durch das Würmtal in Erinnerung an die Todesmärsche aus dem KZ Dachau und seinen Außenlagern Ende April 1945.

Markus Greif